Die Lunges Übung, auf Deutsch Ausfallschritt, gehört zu den wirkungsvollsten Beinübungen überhaupt. Sie trainiert Oberschenkel, Po und Rumpf gleichzeitig, verbessert dein Gleichgewicht und funktioniert ohne jedes Gerät. Trotzdem schleichen sich gerade hier schnell Technikfehler ein, die Knie und Rücken unnötig belasten.
In diesem Guide lernst du die saubere Ausführung Schritt für Schritt, erfährst, welche Muskeln arbeiten, und bekommst acht Varianten vom Einsteiger bis zum Fortgeschrittenen. Dazu gibt es konkrete Tipps zu Sätzen, Wiederholungen und der Einbindung in deinen Trainingsplan.
Was ist die Lunges Übung?
Bei der Lunges Übung machst du einen großen Schritt nach vorn, hinten oder zur Seite und senkst den Körper ab, bis beide Knie etwa im rechten Winkel gebeugt sind. Anschließend drückst du dich kraftvoll zurück in die Ausgangsposition. Weil jedes Bein einzeln arbeitet, zählt der Ausfallschritt zu den unilateralen Übungen.
Genau das macht ihn so wertvoll. Unilaterales Training deckt muskuläre Ungleichgewichte zwischen linkem und rechtem Bein auf und gleicht sie aus. Gleichzeitig muss dein Körper ständig stabilisieren, was Koordination, Gleichgewicht und Rumpfkraft fördert. Für Läufer, Ballsportler und alle, die im Alltag Treppen steigen, ist das ein echter Gewinn.
Welche Muskeln trainiert die Lunges Übung?
Der Ausfallschritt ist eine klassische Mehrgelenksübung. Knie- und Hüftgelenk arbeiten zusammen, entsprechend viele Muskeln sind beteiligt:
| Muskelgruppe | Rolle beim Ausfallschritt |
|---|---|
| Quadrizeps (vordere Oberschenkel) | Hauptarbeit beim Strecken des vorderen Knies |
| Großer Gesäßmuskel (Gluteus maximus) | Streckt die Hüfte, besonders bei langen Schritten |
| Mittlerer Gesäßmuskel (Gluteus medius) | Stabilisiert Becken und Knie seitlich |
| Hintere Oberschenkel (Hamstrings) | Unterstützen die Hüftstreckung |
| Adduktoren | Stabilisieren und helfen beim Aufrichten |
| Waden und Rumpf | Halten Gleichgewicht und aufrechte Haltung |
Eine systematische Übersichtsarbeit zur Aktivierung des großen Gesäßmuskels zählt Ausfallschritt-Varianten zu den Kraftübungen mit vergleichsweise hoher Muskelaktivität im Po. Wie stark Gesäß oder Oberschenkel arbeiten, steuerst du über Schrittlänge und Oberkörperhaltung.
Lunges Übung richtig ausführen: Schritt für Schritt
Starte mit dem klassischen Ausfallschritt nach vorn und ohne Zusatzgewicht. Erst wenn die Technik sitzt, steigerst du die Belastung.
- Ausgangsposition: Stell dich aufrecht hin, Füße hüftbreit, Blick geradeaus. Spann den Bauch leicht an, die Hände liegen an der Hüfte.
- Schritt nach vorn: Mach einen großen Schritt nach vorn. Die Füße bleiben dabei etwa hüftbreit auseinander, wie auf zwei Schienen, nicht auf einer Linie.
- Absenken: Senke den Körper kontrolliert senkrecht nach unten, bis das hintere Knie knapp über dem Boden schwebt. Beide Knie sind nun etwa 90 Grad gebeugt.
- Kniestellung prüfen: Das vordere Knie zeigt in Richtung der Fußspitze und knickt nicht nach innen ein. Die Ferse bleibt fest am Boden.
- Hochdrücken: Drück dich über die Ferse des vorderen Fußes kraftvoll zurück in den Stand. Atme dabei aus.
- Seitenwechsel: Wechsle das Bein oder absolviere zuerst alle Wiederholungen auf einer Seite.
Lass dir Zeit beim Absenken. Zwei bis drei Sekunden nach unten und eine zügige Bewegung nach oben sorgen für einen intensiven Reiz und mehr Kontrolle.
Knie über die Zehen: Ist das gefährlich?
Lange hieß es, das vordere Knie dürfe nie über die Fußspitze wandern. Diese starre Regel gilt heute als überholt. Je nach Beinlänge und Sprunggelenksbeweglichkeit schiebt sich das Knie bei vielen Menschen natürlich etwas nach vorn. Wichtiger ist, dass das Knie stabil in Fußrichtung zeigt und die Ferse am Boden bleibt. Hast du Kniebeschwerden, wähle einen etwas längeren Schritt oder den Ausfallschritt nach hinten.
Oberkörperhaltung bewusst wählen
Ein aufrechter Oberkörper betont stärker den Quadrizeps. Neigst du den Oberkörper mit geradem Rücken leicht nach vorn, arbeiten Hüftstrecker wie Gesäß und hintere Oberschenkel mehr. Das bestätigt eine Studie im Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, in der die Vorneigung des Rumpfes die Aktivität der Hüftstrecker erhöhte. Beide Varianten sind richtig, sie setzen nur unterschiedliche Schwerpunkte.

Die 6 häufigsten Fehler bei Lunges
Viele Fehler bei der Lunges Übung entstehen durch zu viel Tempo oder zu wenig Körperspannung. Achte besonders auf diese Punkte:
- Knie knickt nach innen: Das belastet das Kniegelenk einseitig. Drücke das Knie aktiv leicht nach außen in Richtung kleiner Zeh.
- Füße auf einer Linie: Wie auf einem Drahtseil zu stehen, kostet Stabilität. Halte die Füße hüftbreit.
- Zu kurzer Schritt: Die Ferse hebt ab und das Knie schiebt weit nach vorn. Verlängere den Schritt.
- Hohlkreuz: Ein schwacher Rumpf lässt das Becken nach vorn kippen. Spann Bauch und Po an.
- Hinteres Knie knallt auf: Bremse die Bewegung kurz vor dem Boden ab. Lege dir anfangs ein Kissen unter.
- Schwung statt Kraft: Wer sich hochkatapultiert, verschenkt Trainingsreiz. Arbeite kontrolliert.
8 starke Varianten der Lunges Übung
Der große Vorteil der Lunges Übung: Mit kleinen Veränderungen passt du ihn an jedes Level und jedes Ziel an. Diese acht Varianten solltest du kennen.
1. Reverse Lunge (Ausfallschritt nach hinten)
Du machst den Schritt nach hinten statt nach vorn. Das ist knieschonender, weil das vordere Bein stehen bleibt und weniger abbremsen muss. Ideal für Einsteiger und bei empfindlichen Knien.
2. Split Squat (stehender Ausfallschritt)
Die Füße bleiben in Schrittstellung stehen, du bewegst dich nur auf und ab. Weil der Schritt wegfällt, kannst du dich ganz auf die Technik konzentrieren. Perfekt zum Lernen.
3. Walking Lunges
Du gehst im Ausfallschritt vorwärts, Schritt für Schritt. Das fordert Gleichgewicht und Ausdauer und eignet sich gut für Zirkeltraining oder als Finisher am Ende der Einheit.
4. Seitlicher Ausfallschritt (Lateral Lunge)
Der Schritt geht zur Seite, das andere Bein bleibt gestreckt. Diese Variante trainiert besonders die Adduktoren an der Oberschenkelinnenseite und verbessert die Beweglichkeit der Hüfte.
5. Curtsy Lunge (Knicks-Ausfallschritt)
Das hintere Bein kreuzt diagonal hinter dem vorderen, wie bei einem Knicks. So arbeitet der mittlere Gesäßmuskel stärker als Stabilisator.
6. Bulgarian Split Squat
Der hintere Fuß liegt erhöht auf einer Bank. Dadurch trägt das vordere Bein fast das gesamte Gewicht. Eine der anspruchsvollsten Beinübungen ohne Langhantel, ideal für Muskelaufbau.
7. Jumping Lunges
Aus dem Ausfallschritt springst du explosiv ab und wechselst in der Luft das Bein. Das trainiert Schnellkraft und bringt den Puls hoch. Nur für Fortgeschrittene mit sicherer Technik.
8. Lunges mit Kurzhanteln
Halte in jeder Hand eine Kurzhantel seitlich am Körper. Das Zusatzgewicht erhöht die Intensität deutlich, ohne die Technik zu verändern. Weitere Ideen für das Training mit Hanteln findest du in unserem Beitrag zu Kurzhantel Übungen.

Sätze, Wiederholungen und Trainingsplanung
Wie oft und wie intensiv du die Lunges Übung trainierst, hängt von deinem Ziel ab. Als Orientierung helfen diese Richtwerte pro Bein:
- Einsteiger: 2 bis 3 Sätze mit 8 bis 10 Wiederholungen, ohne Gewicht, Reverse Lunge oder Split Squat.
- Muskelaufbau: 3 bis 4 Sätze mit 8 bis 12 Wiederholungen, mit Kurzhanteln oder als Bulgarian Split Squat.
- Kraftausdauer: 2 bis 3 Sätze mit 15 bis 20 Wiederholungen oder 30 bis 45 Sekunden Walking Lunges.
- Schnellkraft: 3 Sätze mit 6 bis 8 Jumping Lunges pro Seite und ausreichend Pause.
Zwei Trainingseinheiten pro Woche mit der Lunges Übung reichen für die meisten Ziele aus. Kombiniere sie mit beidbeinigen Grundübungen wie der Kniebeuge und einer Hüftbeuge-Übung. Wie du die Kniebeuge sauber ausführst, erklären wir im Ratgeber Kniebeuge richtig ausführen. Für die Rückseite der Beine eignet sich die RDL Übung als perfekte Ergänzung.
Beispiel: Beintraining mit Ausfallschritten
- Aufwärmen: 5 Minuten lockeres Cardio, dann 10 Split Squats pro Bein ohne Gewicht.
- Kniebeugen: 3 Sätze mit 8 bis 10 Wiederholungen.
- Bulgarian Split Squats: 3 Sätze mit 8 bis 10 Wiederholungen pro Bein.
- Rumänisches Kreuzheben: 3 Sätze mit 10 Wiederholungen.
- Walking Lunges: 2 Sätze über 20 Schritte als Finisher.
Steigere die Belastung schrittweise: zuerst mehr Wiederholungen, dann mehr Gewicht, dann anspruchsvollere Varianten. Noch mehr Inspiration für deinen Beintag liefert unser Artikel über die besten Übungen für Beine.
Aufwärmen und Mobilität für saubere Ausfallschritte
Eine gute Lunges Übung beginnt schon vor dem ersten Satz. Steife Hüftbeuger und unbewegliche Sprunggelenke sind die häufigsten Gründe, warum der Ausfallschritt wackelig wirkt oder das Knie nach innen ausweicht. Mit fünf bis acht Minuten gezieltem Aufwärmen bereitest du Muskeln und Gelenke optimal vor.
- Hüftbeuger mobilisieren: Knie dich in den tiefen Ausfallschritt, schiebe die Hüfte langsam nach vorn und halte die Position 30 Sekunden pro Seite.
- Sprunggelenk lockern: Stell einen Fuß vor eine Wand und schiebe das Knie mehrmals kontrolliert Richtung Wand, ohne dass die Ferse abhebt.
- Gesäß aktivieren: 15 Glute Bridges oder seitliches Gehen mit Miniband wecken den Po für die folgende Belastung.
- Bewegung einschleifen: Zum Abschluss führst du zehn langsame Split Squats ohne Gewicht pro Seite aus.
Nach dem Training lohnt sich eine kurze Dehnung für vorderen Oberschenkel und Hüftbeuger. Sie ersetzt kein Aufwärmen, fühlt sich aber nach intensiven Beineinheiten angenehm an und hält dich beweglich.
Lunges für Läufer und Ballsportler
Für Läufer ist die Lunges Übung besonders wertvoll, weil jede Laufbewegung eine Abfolge einbeiniger Stützphasen ist. Kräftige Gesäß- und Oberschenkelmuskeln stabilisieren Becken und Knie bei jedem Schritt. Das kann helfen, typische Fehlbelastungen zu verringern, wie sie etwa beim Läuferknie eine Rolle spielen.
Ballsportler profitieren vor allem vom seitlichen Ausfallschritt und von Jumping Lunges. Beide Varianten trainieren schnelle Richtungswechsel, Abbremsen und explosives Abstoßen. Baue sie ein- bis zweimal pro Woche als Teil deines Athletiktrainings ein, idealerweise am Anfang der Einheit, solange du noch frisch bist.
Ausfallschritt zuhause oder im Studio?
Der Ausfallschritt funktioniert überall. Zuhause reichen Körpergewicht, ein Stuhl für den Bulgarian Split Squat und vielleicht ein Rucksack mit Büchern als Zusatzgewicht. Im Studio kannst du mit Kurzhanteln, Kettlebells oder einer Langhantel auf dem Rücken arbeiten und die Last präzise steigern. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern dass du die Lunges Übung regelmäßig und mit progressiver Belastung trainierst.
Lunges bei Knieproblemen: Was du beachten solltest
Die Lunges Übung kann bei Kniebeschwerden helfen oder schaden, je nach Ausführung und Ursache. Viele Menschen mit leichtem Knieschmerz vertragen den Ausfallschritt nach hinten deutlich besser als den nach vorn. Auch ein reduzierter Bewegungsumfang, bei dem du nur halb so tief gehst, kann helfen.
Schmerzt das Knie stechend, schwillt es an oder fühlt es sich instabil an, lass die Ursache ärztlich oder physiotherapeutisch abklären. Eine gezielte Kräftigung der Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur ist bei vielen Knieproblemen sinnvoll, sollte aber auf deine Diagnose abgestimmt sein.
Fazit: Die Lunges Übung gehört in jeden Trainingsplan
Die Lunges Übung trainiert Beine, Po und Rumpf in einer natürlichen Bewegung und verbessert ganz nebenbei Gleichgewicht und Koordination. Mit sauberer Technik, hüftbreiter Fußstellung und stabilen Knien holst du das Maximum heraus und schützt deine Gelenke.
Starte mit dem Reverse Lunge oder dem Split Squat, steigere dich über Walking Lunges und Kurzhanteln bis zum Bulgarian Split Squat. So bleibt der Ausfallschritt über Jahre eine fordernde Übung, die mit deinem Leistungsstand wächst. Zwei Einheiten pro Woche genügen, um spürbar stärker zu werden.
FAQ: Häufige Fragen zur Lunges Übung
Welche Muskeln trainiert man mit Lunges?
Ausfallschritte trainieren vor allem den vorderen Oberschenkel (Quadrizeps) und den großen Gesäßmuskel. Zusätzlich arbeiten hintere Oberschenkel, Adduktoren, Waden und der mittlere Gesäßmuskel als Stabilisator. Auch der Rumpf ist stark gefordert, weil du auf einem Bein das Gleichgewicht halten musst. Lange Schritte betonen eher den Po.
Wie viele Lunges sollte man am Tag machen?
Tägliches Training ist nicht nötig. Zwei bis drei Einheiten pro Woche mit je 2 bis 4 Sätzen und 8 bis 15 Wiederholungen pro Bein reichen für Kraft und Muskelaufbau aus. Zwischen intensiven Beineinheiten sollten etwa 48 Stunden Pause liegen, damit sich die Muskulatur erholen und anpassen kann.
Was ist besser: Lunges oder Kniebeugen?
Beide Übungen ergänzen sich. Kniebeugen erlauben mehr Gewicht und eignen sich für maximale Kraft. Lunges trainieren jedes Bein einzeln, gleichen Seitenunterschiede aus und fordern Gleichgewicht und Stabilität stärker. Ideal ist ein Trainingsplan, der beide Bewegungen kombiniert, zum Beispiel Kniebeugen als Hauptübung und Ausfallschritte als Ergänzung.
Warum tun Lunges im Knie weh?
Häufige Ursachen sind ein nach innen knickendes Knie, ein zu kurzer Schritt mit abhebender Ferse oder zu viel Gewicht. Probiere den Ausfallschritt nach hinten, verlängere den Schritt und reduziere die Tiefe. Halten die Schmerzen an oder treten Schwellungen auf, lass das Knie ärztlich oder physiotherapeutisch untersuchen.
Wie mache ich Lunges schwerer?
Steigere zuerst die Wiederholungen und verlangsame das Absenken. Danach nimmst du Kurzhanteln oder eine Kettlebell dazu. Anspruchsvollere Varianten sind Walking Lunges, Bulgarian Split Squats mit erhöhtem hinteren Fuß und Jumping Lunges. Erhöhe die Schwierigkeit immer erst, wenn deine Technik in jeder Wiederholung sauber bleibt.
