Low Carb hier, Carb Cycling dort, und im Laufverein schwört jemand auf Pasta-Partys: Kaum ein Nährstoff wird so widersprüchlich diskutiert wie Kohlenhydrate. Für Sportlerinnen und Sportler ist die Frage aber ganz praktisch: Wie viele Kohlenhydrate am Tag brauchst du, um gut zu trainieren, dich zu erholen und leistungsfähig zu bleiben? Die Antwort hängt weniger von Trends ab als von deinem Trainingspensum.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Mengen die Arbeitsgruppe Sporternährung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, wie du deinen Bedarf in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht berechnest und wie ein Tag mit der passenden Kohlenhydratmenge auf dem Teller aussieht. Um das gezielte Aufladen vor einem Wettkampf geht es hier nicht – dafür haben wir einen eigenen Ratgeber.
Wie viele Kohlenhydrate am Tag? Die kurze Antwort
Sportlerinnen und Sportler brauchen je nach Belastung 3 bis 12 Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht und Tag: etwa 3 bis 5 Gramm bei leichtem Training, 5 bis 7 Gramm bei moderatem Training von rund einer Stunde täglich, 6 bis 10 Gramm bei ein bis drei Stunden Ausdauertraining und 8 bis 12 Gramm bei sehr hohen Umfängen.
Warum Kohlenhydrate im Sport so wichtig sind
Kohlenhydrate sind der wichtigste Treibstoff für intensive Belastungen. Dein Körper speichert sie als Glykogen in Muskulatur und Leber. Je intensiver du trainierst, desto stärker greift dein Stoffwechsel auf diese Speicher zurück. Bei Intervallen, Tempoläufen, Spielsportarten oder schweren Krafteinheiten sind Kohlenhydrate kaum zu ersetzen.
Die Glykogenspeicher sind allerdings begrenzt. Bei langen oder sehr intensiven Einheiten leeren sie sich spürbar. Sind sie dauerhaft schlecht gefüllt, sinkt die Leistung, Einheiten fühlen sich schwerer an und die Erholung dauert länger. Typische Warnsignale sind:
- Schwere Beine schon zu Beginn des Trainings
- Leistungseinbruch bei Intervallen oder im letzten Drittel langer Einheiten
- Anhaltende Müdigkeit, Gereiztheit und schlechte Konzentration
- Heißhunger am Abend nach harten Trainingstagen
Auch für die Regeneration spielen Kohlenhydrate eine Rolle. Gemeinsam mit Eiweiß unterstützen sie die Erholung nach dem Training. Was du direkt nach der Einheit essen kannst, liest du im Ratgeber Was essen nach dem Training.
Die allgemeine Empfehlung für Erwachsene
Für die Allgemeinbevölkerung gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Prozentwert an: In ihrem Positionspapier zu Richtwerten für Kohlenhydrate und Fett nennt sie einen Richtwert von mehr als 50 Prozent der Energiezufuhr aus Kohlenhydraten. Zusätzlich empfiehlt die DGE mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag. Für Sportler ist eine Angabe in Prozent allerdings ungenau, denn der Gesamtenergiebedarf schwankt mit dem Training stark. Deshalb rechnet die Sporternährung in Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.
Kohlenhydrate am Tag nach Trainingsbelastung
Die Arbeitsgruppe Sporternährung der DGE hat ihre Empfehlungen in einem Positionspapier zu Kohlenhydraten in der Sporternährung zusammengefasst. Die Werte orientieren sich an den Empfehlungen des American College of Sports Medicine und gelten heute als Standard.
| Trainingsbelastung | Beispiele | Kohlenhydrate pro kg und Tag |
|---|---|---|
| Niedrig | leichtes Training, Technik- oder Geschicklichkeitseinheiten | 3–5 g |
| Moderat | etwa eine Stunde Training pro Tag mit mittlerer Intensität | 5–7 g |
| Hoch | Ausdauertraining von ein bis drei Stunden täglich, moderat bis intensiv | 6–10 g |
| Sehr hoch | mehr als vier bis fünf Stunden Training pro Tag | 8–12 g |
Wichtig: Diese Werte sind Spannbreiten, keine exakten Vorgaben. Innerhalb eines Bereichs entscheiden Intensität, Sportart, Trainingsziel und dein individuelles Empfinden. Eine Kraftsportlerin mit vier kurzen Einheiten pro Woche braucht weniger als ein Triathlet in der Vorbereitung auf eine Langdistanz, auch wenn beide viel Sport treiben.
Kraftsport, Teamsport, Ausdauer: Unterschiede je Sportart
Im Kraftsport sind die Einheiten meist kürzer, die Glykogenspeicher werden weniger stark geleert als bei langen Läufen oder Radausfahrten. Viele Kraftsportlerinnen und Kraftsportler bewegen sich deshalb im niedrigen bis moderaten Bereich der Tabelle. Bei hohem Trainingsvolumen mit vielen Sätzen steigt der Bedarf jedoch spürbar.
In Spielsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball wechseln sich Sprints, Richtungswechsel und lockere Phasen ab. Diese intermittierende Belastung verbraucht viel Glykogen. Spieltage und intensive Trainingstage rechtfertigen daher eher den moderaten bis hohen Bereich. Im Ausdauersport schließlich steigt der Bedarf mit Umfang und Intensität am deutlichsten – hier lohnt es sich besonders, die Menge an das Tagespensum anzupassen.
So berechnest du deinen Bedarf
- Trainingsbelastung einschätzen: Schau auf deine typische Trainingswoche. Wie lange und wie intensiv trainierst du an einem normalen Tag?
- Bereich wählen: Ordne dich in der Tabelle ein. Im Zweifel startest du in der Mitte des Bereichs.
- Mit dem Körpergewicht multiplizieren: Bei 70 Kilogramm und moderatem Training ergibt das 5 bis 7 Gramm mal 70, also 350 bis 490 Gramm Kohlenhydrate am Tag.
- An Trainingstage anpassen: An Ruhetagen und leichten Tagen isst du weniger, an harten oder langen Tagen mehr.
- Beobachten und nachjustieren: Bleiben Leistung, Gewicht und Wohlbefinden stabil, liegst du richtig. Fühlst du dich dauerhaft leer, erhöhe die Menge schrittweise.
Hinter Punkt vier steckt ein Prinzip, das in der Sporternährung als Periodisierung bekannt ist: Du passt deine Kohlenhydrate am Tag an die jeweilige Belastung an, statt jeden Tag gleich viel zu essen. An einem Intervalltag oder vor einer langen Einheit stehen mehr Nudeln, Reis oder Brot auf dem Plan, an einem Ruhetag mehr Gemüse, Eiweiß und gesunde Fette. So versorgst du deinen Körper genau dann, wenn er die Energie wirklich braucht.

Rechenbeispiele: So sieht dein Bedarf konkret aus
Zahlen pro Kilogramm sind abstrakt. Die folgende Übersicht zeigt, wie viele Kohlenhydrate am Tag sich daraus für verschiedene Körpergewichte ergeben.
| Körpergewicht | Niedrig (3–5 g/kg) | Moderat (5–7 g/kg) | Hoch (6–10 g/kg) |
|---|---|---|---|
| 55 kg | 165–275 g | 275–385 g | 330–550 g |
| 65 kg | 195–325 g | 325–455 g | 390–650 g |
| 75 kg | 225–375 g | 375–525 g | 450–750 g |
| 85 kg | 255–425 g | 425–595 g | 510–850 g |
Ein Beispiel aus dem Alltag: Lena wiegt 60 Kilogramm, läuft viermal pro Woche jeweils 45 bis 60 Minuten und bereitet sich auf einen Halbmarathon vor. Sie liegt im moderaten Bereich und braucht an Trainingstagen etwa 300 bis 420 Gramm Kohlenhydrate. An Ruhetagen reichen eher 180 bis 300 Gramm. Ein passender Trainingsplan für dieses Ziel ist unser Halbmarathon-Trainingsplan für Einsteiger.
Was 100 Gramm Kohlenhydrate auf dem Teller bedeuten
Damit du ein Gefühl für die Mengen bekommst, hier einige Orientierungswerte. Die Angaben sind gerundet und schwanken je nach Produkt:
- Nudeln: etwa 140 Gramm Trockengewicht liefern rund 100 Gramm Kohlenhydrate.
- Reis: etwa 130 Gramm ungekocht entsprechen rund 100 Gramm Kohlenhydraten.
- Haferflocken: etwa 170 Gramm, also eine sehr große Portion Müsli.
- Kartoffeln: rund 650 Gramm gekocht – deutlich mehr Volumen.
- Bananen: etwa vier bis fünf mittelgroße Früchte.
- Vollkornbrot: ungefähr fünf Scheiben.
Timing: Kohlenhydrate rund ums Training verteilen
Neben der Tagesmenge zählt, wann du Kohlenhydrate isst. Vor allem bei harten oder langen Einheiten macht das Timing einen spürbaren Unterschied.
Während langer Belastungen
Laut DGE-Arbeitsgruppe brauchst du bei Einheiten unter 45 Minuten keine Kohlenhydrate während der Belastung. Bei 45 bis 75 Minuten genügen kleine Mengen oder eine Mundspülung mit einem kohlenhydrathaltigen Getränk. Zwischen einer und zweieinhalb Stunden werden 30 bis 60 Gramm pro Stunde empfohlen, bei noch längeren Belastungen bis zu 90 Gramm pro Stunde – dann idealerweise als Mischung aus Glukose und Fruktose, weil der Darm sie über verschiedene Transportwege aufnimmt.
Nach dem Training
Liegen zwischen zwei Einheiten weniger als acht bis zehn Stunden, empfiehlt die Arbeitsgruppe in den ersten zwei bis vier Stunden 1 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht und Stunde. Auch die International Society of Sports Nutrition nennt in ihrem Positionspapier zum Nährstoff-Timing für eine schnelle Wiederauffüllung der Speicher rund 1,2 Gramm pro Kilogramm und Stunde. Hast du bis zur nächsten Einheit einen ganzen Tag Zeit, zählt vor allem die Tagesmenge.
Vor dem Wettkampf
Für Ausdauerwettkämpfe von mehr als 90 Minuten kann ein gezieltes Auffüllen der Speicher in den Tagen davor sinnvoll sein. Das ist ein eigenes Thema mit deutlich höheren Mengen. Wie du dabei vorgehst, erklärt unser Ratgeber zum Carboloading vor dem Wettkampf.

Welche Kohlenhydrate wann? Qualität und Praxis
Nicht alle Kohlenhydrate sind gleich. Für deine Grundversorgung im Alltag eignen sich vor allem ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Obst und Gemüse. Sie liefern neben Energie auch Vitamine, Mineralstoffe und sättigen lange.
Rund ums Training sieht es anders aus. Kurz vor und während intensiver Belastungen sind leicht verdauliche Kohlenhydrate im Vorteil, weil sie den Magen weniger belasten. Weißbrot, Bananen, Reiswaffeln, Sportgetränke oder Gels sind hier sinnvoll. Ein hoher Ballaststoffanteil direkt vor dem Start kann dagegen zu Magen-Darm-Problemen führen.
Zucker im Sport: erlaubt oder tabu?
Im Alltag gilt: Freier Zucker aus Süßigkeiten, Limonaden und gesüßten Lebensmitteln sollte nur einen kleinen Teil deiner Ernährung ausmachen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, weniger als 10 Prozent der Energie aus freiem Zucker aufzunehmen. Während langer, intensiver Belastungen ist Zucker dagegen ein nützlicher, schnell verfügbarer Energielieferant. Sportgetränke, Gels oder ein Stück Trockenobst haben dort ihren Platz – im Büro auf dem Schreibtisch eher nicht. Entscheidend ist also der Kontext.
Ein Beispieltag mit rund 400 Gramm Kohlenhydraten
So könnte ein Trainingstag mit moderatem Pensum für eine Person mit etwa 65 bis 70 Kilogramm aussehen:
- Frühstück: 80 Gramm Haferflocken mit Milch, einer Banane und einem Löffel Honig – rund 90 Gramm Kohlenhydrate.
- Snack: zwei Scheiben Vollkornbrot mit Frischkäse und ein Apfel – etwa 55 Gramm.
- Mittagessen: 100 Gramm Reis (ungekocht) mit Gemüse und Hähnchen oder Tofu – etwa 85 Gramm.
- Vor dem Training: eine Banane und eine Reiswaffel – rund 30 Gramm.
- Nach dem Training: 125 Gramm Nudeln (trocken) mit Tomatensauce und Linsen – etwa 105 Gramm.
- Abendsnack: Joghurt mit Beeren und etwas Müsli – rund 35 Gramm.
Damit kommst du auf etwa 400 Gramm Kohlenhydrate. Gleichzeitig deckt der Tag mit Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Hähnchen oder Tofu auch einen großen Teil des Eiweißbedarfs. Wie viel Protein du brauchst, liest du im Ratgeber zum Proteinbedarf im Sport.
Low Carb im Sport: Sinnvoll oder Bremse?
Kohlenhydratarme Ernährungsformen sind beliebt, vor allem zum Abnehmen. Für intensive Trainingsformen sind sie jedoch meist eine Bremse. Wer dauerhaft zu wenig Kohlenhydrate isst, kann hohe Intensitäten schlechter halten und regeneriert langsamer.
Im Leistungssport wird teilweise gezielt mit reduzierten Kohlenhydraten trainiert, etwa bei einzelnen lockeren Einheiten mit leeren Speichern. Dieses sogenannte „Train Low“ ist ein Werkzeug für erfahrene Athletinnen und Athleten unter fachlicher Begleitung, keine Dauerstrategie für den Alltag. Die Studienlage zu messbaren Leistungsvorteilen ist uneinheitlich.
Ein besonders wichtiger Punkt: Wer viel trainiert und gleichzeitig zu wenig isst, riskiert eine dauerhaft zu geringe Energieverfügbarkeit. Sie kann Hormonhaushalt, Knochengesundheit, Immunsystem und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Warnzeichen sind anhaltende Erschöpfung, häufige Infekte, Verletzungen oder bei Frauen ein Ausbleiben der Periode. In diesen Fällen solltest du ärztlichen Rat einholen.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen stimmst du deine Kohlenhydratmenge bitte mit deinem Behandlungsteam ab.
Fazit: Kohlenhydrate am Tag nach Training dosieren
Wie viele Kohlenhydrate am Tag du brauchst, bestimmt vor allem dein Training. Als Faustregel gelten 3 bis 5 Gramm pro Kilogramm bei leichtem, 5 bis 7 Gramm bei moderatem, 6 bis 10 Gramm bei hohem und 8 bis 12 Gramm bei sehr hohem Pensum. Passe die Menge an Trainings- und Ruhetage an und setze im Alltag auf ballaststoffreiche Quellen.
Rund um harte Einheiten lohnt sich ein bewusstes Timing: leicht verdauliche Kohlenhydrate vorher und währenddessen, eine kohlenhydrat- und eiweißreiche Mahlzeit danach. Rechne deinen Bedarf einmal aus, vergleiche ihn mit ein paar typischen Tagen und justiere gezielt nach. Deine Leistung im Training wird es dir zeigen.
FAQ: Häufige Fragen zu Kohlenhydrate am Tag
Wie viele Kohlenhydrate am Tag brauche ich als Sportler?
Das hängt von deinem Training ab. Die Arbeitsgruppe Sporternährung der DGE nennt 3 bis 5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht bei leichtem Training, 5 bis 7 Gramm bei etwa einer Stunde Training täglich, 6 bis 10 Gramm bei ein bis drei Stunden Ausdauertraining und 8 bis 12 Gramm bei mehr als vier bis fünf Stunden pro Tag.
Wie berechne ich meinen Kohlenhydratbedarf?
Ordne dein typisches Training einer Belastungsstufe zu und multipliziere den Wert mit deinem Körpergewicht. Bei 70 Kilogramm und moderatem Training sind das 5 bis 7 Gramm mal 70, also 350 bis 490 Gramm pro Tag. An Ruhetagen isst du weniger, an langen oder harten Trainingstagen mehr.
Wie viele Kohlenhydrate pro Stunde beim Ausdauersport?
Bei Einheiten unter 45 Minuten sind keine Kohlenhydrate nötig, bei 45 bis 75 Minuten genügen kleine Mengen. Zwischen einer und zweieinhalb Stunden empfiehlt die DGE-Arbeitsgruppe 30 bis 60 Gramm pro Stunde, bei längeren Belastungen bis zu 90 Gramm pro Stunde als Mischung aus Glukose und Fruktose.
Was passiert, wenn ich zu wenig Kohlenhydrate esse?
Deine Glykogenspeicher bleiben schlecht gefüllt. Das zeigt sich durch schwere Beine, Leistungseinbrüche bei intensiven Einheiten, anhaltende Müdigkeit und langsamere Erholung. Isst du insgesamt dauerhaft zu wenig, droht eine zu geringe Energieverfügbarkeit, die Hormone, Knochen und Immunsystem belasten kann.
Sind Low-Carb-Diäten für Sportler geeignet?
Für intensive Trainingsformen meist nicht. Wer dauerhaft wenig Kohlenhydrate isst, kann hohe Intensitäten schlechter halten und regeneriert langsamer. Gezieltes Training mit niedrigen Speichern wird im Leistungssport punktuell eingesetzt, gehört aber in erfahrene Hände und ist keine Dauerstrategie. Die Studienlage zu Leistungsvorteilen ist uneinheitlich.
