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Übungen Tennisarm: 6 bewährte Hilfen für schmerzfreie Ellenbogen

Sarah Yilmaz · 20. Oktober 2026

Übungen Tennisarm: Frau hält sich den schmerzenden Ellenbogen an der Außenseite fest

Die Kaffeetasse anheben, eine Türklinke drücken, beim Rudern am Gerät ziehen: Plötzlich schießt ein Schmerz in die Außenseite des Ellenbogens. Wer einen Tennisarm hat, merkt schnell, wie viele Alltagsbewegungen den Unterarm fordern. Gezielte Übungen gehören dabei zu den wirksamsten Maßnahmen, denn welche Übungen Tennisarm-Beschwerden tatsächlich lindern, ist inzwischen recht gut untersucht.

Spannend: Mit Tennis hat die Erkrankung oft wenig zu tun. Viel häufiger trifft es Menschen, die viel am Computer arbeiten, handwerklich tätig sind oder im Fitnessstudio Zug- und Griffübungen lieben. In diesem Ratgeber erfährst du, was hinter den Schmerzen steckt, welche Übungen helfen, wie du sie richtig dosierst und wann du ärztlichen Rat brauchst.

Welche Übungen helfen bei Tennisarm?

Am besten untersucht ist das exzentrische Training der Handgelenkstrecker: Du senkst ein leichtes Gewicht langsam ab, während der Muskel unter Spannung länger wird. Ergänzt durch isometrische Halteübungen, Dehnungen, Griffkraft- und Schulterübungen bessern sich die Beschwerden meist innerhalb von ein bis drei Monaten, wenn du konsequent und schmerzangepasst trainierst.

Tennisarm verstehen: Was im Ellenbogen passiert

Medizinisch heißt der Tennisarm Epicondylitis oder genauer Epicondylopathia radialis humeri. Betroffen ist der Ansatz der Sehnen, die dein Handgelenk und deine Finger strecken. Sie entspringen gemeinsam an einem kleinen Knochenvorsprung an der Außenseite des Oberarms, dem seitlichen Epicondylus.

Lange hielt man die Beschwerden für eine Entzündung. Heute gehen Fachleute eher von einer Überlastung der Sehnenansätze mit kleinsten Strukturschäden und gestörter Heilung aus. Das erklärt, warum reine Ruhe oft nicht reicht: Die Sehne braucht dosierte Belastung, um sich zu reorganisieren und wieder belastbar zu werden.

Wer betroffen ist und wie lange es dauert

Laut gesund.bund.de haben etwa 2 von 100 Menschen einen Tennisarm, am häufigsten im Alter zwischen 40 und 60 Jahren. Männer und Frauen sind etwa gleich oft betroffen. Die Prognose ist gut: Rund 80 Prozent sind innerhalb eines Jahres wieder schmerzfrei. Das klingt beruhigend, bedeutet aber auch, dass viele monatelang Beschwerden haben. Mit gezieltem Training kannst du diese Zeit verkürzen.

Die Leitlinie nennt Faktoren, die mit einem eher langwierigen Verlauf verbunden sind: körperlich belastende oder einseitige Handarbeit, wiederkehrende Beschwerden, gleichzeitige Nackenschmerzen, eine Beschwerdedauer von mehr als drei Monaten und sehr starke Schmerzen zu Beginn. Trifft einiges davon auf dich zu, lohnt es sich besonders, früh mit einem strukturierten Programm zu starten und Belastungen im Alltag konsequent anzupassen.

Typische Symptome

  • Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens, die in den Unterarm ausstrahlen können
  • Druckschmerz direkt am Knochenvorsprung
  • Schmerzen beim Greifen, Heben mit gestrecktem Arm, Händeschütteln oder Auswringen eines Tuchs
  • nachlassende Griffkraft, etwa beim Öffnen von Gläsern
  • Beschwerden beim Strecken des Handgelenks oder des Mittelfingers gegen Widerstand

Sitzt der Schmerz an der Innenseite des Ellenbogens, spricht man vom Golferarm. Die Prinzipien der Behandlung sind ähnlich, die Übungen zielen dann aber auf die Handgelenkbeuger.

Was die Leitlinie zum Training sagt

Die deutsche S2k-Leitlinie zur Epicondylopathia radialis humeri der orthopädischen Fachgesellschaft empfiehlt im starken Konsens eine Trainingstherapie mit progressiver Belastung der Handgelenkstrecker. Ein ergänzendes Schulterprogramm kann sinnvoll sein. Zur optimalen Intensität, Dauer und Häufigkeit gibt es laut Leitlinie noch keinen Konsens.

Ob exzentrische Übungen konzentrischen tatsächlich überlegen sind, wird in Studien unterschiedlich bewertet. Das IQWiG-Portal gesundheitsinformation.de beschreibt das exzentrische Training dennoch als am besten untersuchte Option. Einfaches Dehnen allein hat dagegen einen unklaren Nutzen. Entscheidend scheint vor allem zu sein, dass die Sehne regelmäßig und steigend belastet wird.

Für die Übungen Tennisarm-Betroffener heißt das in der Praxis: Nicht die eine perfekte Übung entscheidet, sondern ein Programm, das du über Wochen durchhältst und dessen Gewicht du schrittweise erhöhst. Ein Mix aus exzentrischen, isometrischen und konzentrischen Elementen ist deshalb ein guter Kompromiss.

Übungen Tennisarm: Exzentrische Handgelenkstreckung mit leichter Kurzhantel auf dem Tisch
Foto: Kelly Sikkema / Unsplash

Übungen Tennisarm: Dein Programm in 6 Schritten

Die folgenden sechs Übungen bilden ein solides Heimprogramm. Du brauchst dafür nur eine leichte Kurzhantel oder eine gefüllte Wasserflasche, ein Gummiband und einen Hammer oder Stab. Starte mit sehr geringem Gewicht. Diese Übungen Tennisarm-gerecht zu dosieren, ist wichtiger als jede einzelne Technik.

  1. Isometrisches Halten: Unterarm auf dem Tisch abgelegt, Handfläche nach unten, Hand über die Kante. Mit der anderen Hand Widerstand geben und das Handgelenk 30 bis 45 Sekunden lang gegen den Widerstand nach oben drücken, ohne Bewegung. 5 Wiederholungen. Eignet sich besonders bei starken Schmerzen als Einstieg.
  2. Exzentrische Handgelenkstreckung: Gleiche Position, Kurzhantel in der Hand. Mit Hilfe der anderen Hand das Handgelenk nach oben bringen, dann allein in drei bis vier Sekunden langsam absenken. 3 × 15 Wiederholungen.
  3. Dehnung der Handgelenkstrecker: Arm gestreckt nach vorn, Handfläche nach unten. Mit der anderen Hand die Finger sanft Richtung Körper ziehen, bis eine Dehnung im Unterarm spürbar ist. 3 × 30 Sekunden.
  4. Unterarmdrehung mit Hammer: Unterarm abgelegt, Hammer am Stiel greifen und langsam von der Daumen-oben-Position nach innen und außen drehen. 3 × 10 je Richtung. Je weiter du den Stiel unten greifst, desto schwerer wird es.
  5. Fingerstrecker mit Gummiband: Ein Gummiband um Finger und Daumen legen und die Finger gegen den Widerstand spreizen. 3 × 20 Wiederholungen. Das trainiert die Gegenspieler der Greifmuskulatur.
  6. Schulterblatt-Rudern: Mit Widerstandsband vor dir befestigt die Schulterblätter zusammenziehen und die Ellenbogen nah am Körper nach hinten führen. 3 × 12. Eine stabile Schulter entlastet die Kette bis zum Unterarm.

Übersicht: Dosierung der Übungen

ÜbungSätze × WiederholungenHäufigkeitZiel
Isometrisches Halten5 × 30 bis 45 Sek.täglich, bei Bedarf mehrmalsSchmerzlinderung, Einstieg
Exzentrische Streckung3 × 15täglichSehnenbelastbarkeit
Dehnung Strecker3 × 30 Sek.täglichBeweglichkeit
Unterarmdrehung3 × 10 je Richtungjeden 2. TagKraft und Kontrolle
Fingerstrecker3 × 20jeden 2. Tagmuskuläres Gleichgewicht
Schulterblatt-Rudern3 × 122 bis 3 × pro WocheStabilität der Kette

Varianten mit Flexbar

Im Physiotherapie-Alltag verbreitet ist auch ein biegsamer Gummistab, oft Flexbar genannt. Mit der als „Tyler Twist“ bekannten Übung verdrehst du den Stab mit beiden Händen und lässt ihn mit der betroffenen Hand exzentrisch zurückdrehen. Das Prinzip entspricht der Kurzhantel-Variante, viele empfinden den Stab aber als angenehmer. Lass dir die Technik am besten einmal zeigen.

Richtig dosieren: So viel Schmerz ist erlaubt

Bei Sehnenbeschwerden gilt eine bewährte Faustregel: Leichte Schmerzen während der Übungen sind in Ordnung, solange sie auf einer Skala von 0 bis 10 etwa bei 3 bis maximal 4 bleiben und bis zum nächsten Morgen abklingen. Wird der Schmerz stärker oder hält er an, reduzierst du Gewicht oder Wiederholungen.

  • Startgewicht: Beginne mit 0,5 bis 1 Kilogramm oder einer halb gefüllten Flasche.
  • Steigerung: Gelingen alle Sätze zwei Tage in Folge gut, erhöhst du das Gewicht um etwa 0,5 Kilogramm.
  • Tempo: Die exzentrische Phase immer langsam, drei bis vier Sekunden.
  • Geduld: Spürbare Fortschritte zeigen sich oft erst nach vier bis sechs Wochen, das vollständige Programm läuft meist zwei bis drei Monate.

Studien deuten laut gesundheitsinformation.de darauf hin, dass ein Training über ein bis drei Monate am besten wirkt. Steige erst ein, wenn der akute Schmerz es zulässt, und überlaste den Arm nicht, sonst können die Beschwerden zunehmen.

Typische Fehler bei den Übungen

Viele geben nach zwei Wochen frustriert auf, weil sie zu schnell zu viel wollen oder zu früh Ergebnisse erwarten. Diese Fehler bremsen die Übungen Tennisarm-geplagter Sportler am häufigsten aus:

  • Zu schweres Gewicht: Ein Kilogramm klingt lächerlich, reicht für den Anfang aber völlig. Wer mit der gewohnten Hantel aus dem Studio startet, provoziert neue Schmerzschübe.
  • Zu schnelles Absenken: Fällt das Handgelenk in einer Sekunde nach unten, fehlt der exzentrische Reiz. Zähle bewusst bis vier.
  • Unregelmäßigkeit: Drei Tage intensiv, dann eine Woche Pause, bringt wenig. Kurze tägliche Einheiten wirken besser.
  • Ausweichbewegungen: Hebt sich der Unterarm vom Tisch oder hilft die Schulter mit, arbeitet nicht mehr die Zielmuskulatur.
  • Schmerz ignorieren: Steigt der Schmerz über 4 von 10 oder ist er am nächsten Morgen stärker, war die Belastung zu hoch.

Ein möglicher Verlauf über zwölf Wochen

PhaseZeitraumSchwerpunkt
1: BeruhigenWoche 1 bis 2Auslöser reduzieren, isometrisches Halten, sanftes Dehnen
2: AufbauenWoche 3 bis 6exzentrische Streckung, Unterarmdrehung, Fingerstrecker
3: BelastenWoche 7 bis 12Gewichte steigern, Schulterprogramm, sportartspezifische Bewegungen

So baust du die Übungen in deinen Tag ein

Damit Übungen Tennisarm-Schmerzen nachhaltig lindern, zählt Regelmäßigkeit mehr als Dauer. Das komplette Programm dauert etwa 15 Minuten. Viele kommen gut zurecht, wenn sie es an feste Routinen koppeln: das isometrische Halten am Morgen nach dem Zähneputzen, die Dehnung in der Mittagspause, die exzentrische Streckung und die Kraftübungen am Abend vor dem Fernseher. Eine Kurzhantel oder Wasserflasche griffbereit auf dem Schreibtisch senkt die Hürde zusätzlich.

Ergonomischer Arbeitsplatz mit neutral gehaltenem Handgelenk zur Entlastung des Unterarms
Foto: Barry A / Unsplash

Was du im Alltag und beim Sport ändern solltest

Die besten Übungen nützen wenig, wenn du die Sehne den Rest des Tages weiter überreizt. Ziel ist nicht völlige Schonung, sondern eine Belastung, die der Sehne guttut.

  • Greifen mit Handfläche nach oben: Taschen und Kisten mit untergriffiger Hand tragen entlastet die Strecker.
  • Arbeitsplatz prüfen: Maus und Tastatur so positionieren, dass das Handgelenk neutral bleibt. Eine vertikale Maus kann helfen.
  • Pausen einbauen: Bei Computerarbeit oder Handwerk regelmäßig die Hand lockern und kurz dehnen. Ideen liefern unsere Mobility-Übungen fürs Büro.
  • Training anpassen: Zugübungen wie Klimmzüge, Rudern oder Kreuzheben belasten die Griffkraft stark. Nutze vorübergehend Zughilfen, einen breiteren Griff oder reduziere das Volumen. Wie du Klimmzüge später sauber aufbaust, zeigt unser Ratgeber zum Klimmzüge lernen.
  • Schlägersport: Lass Griffstärke, Bespannung und Technik überprüfen. Eine zu kleine Griffgröße oder eine harte Saite erhöhen die Belastung.

Bandagen, Spangen und Spritzen

Viele Betroffene greifen zu einer Epicondylitis-Spange oder Bandage. Ihr Nutzen ist laut gesundheitsinformation.de nicht belegt, manche empfinden sie dennoch als angenehm. Kortisonspritzen lindern Schmerzen nur kurzfristig und können die Heilung verzögern. Behandlungen wie Stoßwelle, Laser oder Eigenbluttherapie sind in ihrer Wirkung nicht gesichert. Das Training bleibt deshalb die Basis.

Wenn du nach der Reha zurück ins Krafttraining findest, hilft ein ausgewogener Plan wie der Ganzkörper-Trainingsplan mit drei Tagen, Zug- und Druckübungen im Gleichgewicht zu halten.

Wann du mit einem Tennisarm zum Arzt solltest

Ein Tennisarm ist unangenehm, aber selten gefährlich. Trotzdem gibt es Situationen, in denen eine ärztliche Untersuchung wichtig ist, um andere Ursachen auszuschließen:

  • Schmerzen nach einem Sturz oder Schlag auf den Ellenbogen
  • deutliche Schwellung, Rötung, Überwärmung oder Fieber
  • Taubheit, Kribbeln oder Kraftverlust in Hand und Fingern
  • Bewegungseinschränkung, bei der du den Arm nicht mehr voll strecken oder beugen kannst
  • Schmerzen auch in Ruhe oder nachts
  • keine Besserung nach sechs bis acht Wochen konsequenter Übungen

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Eine Ärztin, ein Arzt oder eine Physiotherapeutin kann deine Beschwerden einordnen und das Übungsprogramm an deine Situation anpassen.

Fazit: Geduldiges Training schlägt Schonung

Ein Tennisarm braucht Zeit, aber du bist ihm nicht ausgeliefert. Die wirksamsten Übungen bei Tennisarm sind langsame, exzentrische und isometrische Belastungen der Handgelenkstrecker, ergänzt durch Dehnung, Griff- und Schulterkraft. Wichtiger als die perfekte Übung ist die konsequente, schmerzangepasste Steigerung über mehrere Wochen. Wer seine Übungen Tennisarm-gerecht dosiert, braucht keine teuren Geräte.

Passe parallel deinen Alltag und dein Training an, damit die Sehne zur Ruhe kommt. Wenn du dranbleibst, stehen die Chancen sehr gut, dass du Kaffeetasse, Hantel und Schläger bald wieder ohne Schmerzen greifst.

FAQ: Häufige Fragen zu Übungen Tennisarm

Wie oft sollte ich Übungen bei Tennisarm machen?

Exzentrische und isometrische Übungen für die Handgelenkstrecker führst du am besten täglich durch, ergänzende Kraftübungen jeden zweiten Tag. Studien deuten darauf hin, dass ein Programm über ein bis drei Monate am wirksamsten ist. Spürbare Fortschritte zeigen sich meist nach vier bis sechs Wochen. Leichte Schmerzen bis etwa 3 von 10 sind akzeptabel, wenn sie bis zum nächsten Tag abklingen.

Was ist exzentrisches Training beim Tennisarm?

Beim exzentrischen Training arbeitet der Muskel, während er unter Spannung länger wird. Beim Tennisarm hebst du ein leichtes Gewicht mit Hilfe der anderen Hand an und senkst das Handgelenk dann allein langsam in drei bis vier Sekunden ab. Diese Form der Belastung gilt als am besten untersuchte Übungstherapie und soll die Sehne gezielt belastbarer machen.

Wie lange dauert ein Tennisarm?

Manchmal klingen die Beschwerden nach wenigen Wochen ab, oft halten sie mehrere Monate an. Laut gesund.bund.de sind rund 80 Prozent der Betroffenen innerhalb eines Jahres wieder schmerzfrei. Gezielte Übungen, angepasste Alltagsbelastung und Geduld können den Verlauf verkürzen. Bessert sich nach sechs bis acht Wochen trotz Training nichts, solltest du ärztlichen Rat einholen.

Hilft Dehnen bei Tennisarm?

Dehnen kann sich angenehm anfühlen und die Beweglichkeit verbessern, allein reicht es aber nicht. Laut gesundheitsinformation.de ist der Nutzen von einfachem Dehnen unklar. Sinnvoll ist Dehnen als Ergänzung zu Kraftübungen, insbesondere zum exzentrischen Training der Handgelenkstrecker. Dehne sanft für etwa 30 Sekunden, ohne starke Schmerzen auszulösen.

Darf ich mit Tennisarm Krafttraining machen?

Ja, in angepasster Form. Übungen, die den Unterarm stark beanspruchen, etwa Klimmzüge, Rudern oder Kreuzheben, solltest du reduzieren, mit Zughilfen ausführen oder vorübergehend ersetzen. Beintraining und viele Maschinenübungen sind meist problemlos möglich. Orientiere dich am Schmerz: Verstärkt eine Übung die Beschwerden am Ellenbogen deutlich, lass sie vorerst weg.

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